Graz ist im Firmenbuch eine Stadt der Büros. Technische Dienstleister und Immobilienfirmen haben hier einen größeren Anteil am Firmenbestand als in jeder anderen österreichischen Großstadt; Handel, Bau und Gastronomie einen kleineren. Das ist der Befund aus 13.437 eingetragenen Firmen, verglichen mit den übrigen 198 Städten des Landes.
Bestand und Dichte
13.437 aktive Firmen stehen mit Sitzadresse in Graz im Firmenbuch. Auf 306.971 Einwohner sind das 43,8 Firmen je 1.000 Einwohner, oder eine Firma je 23 Einwohner. Österreichweit kommt eine Firma auf 26 Einwohner.
Unter den elf Städten ab 50.000 Einwohnern liegt Graz damit auf Rang 4, hinter Wien (54,0 Firmen je 1.000 Einwohner), Salzburg (50,0) und Innsbruck (48,5), knapp vor Dornbirn (42,8). Linz kommt auf 35,6, St. Pölten auf 26,4. Unter allen 199 Städten der Stadtrechtsliste ist Graz Rang 21; davor liegen vor allem Tourismusorte wie Kitzbühel oder Zell am See, in denen viele Firmen auf wenige Einwohner kommen.

Der Branchen-Mix
12.699 der Grazer Firmen tragen einen ÖNACE-Branchencode. Der größte Block darunter sind Immobilienfirmen: 3.159 Firmen oder 24,9 Prozent, gegenüber 18,2 Prozent in den übrigen Städten. Keine andere Großstadt kommt auf diesen Anteil; Dornbirn liegt bei 23,9 Prozent, Villach bei 22,3, Wien bei 18,2, Linz bei 17,1. In Graz stecken dahinter 1.520 Immobilien-Vermieter, also jede achte Firma mit Branchencode, 604 Immobilienhändler, 451 Bauträger, 349 Hausverwaltungen und 222 Makler. Bauträger sind in Graz doppelt so häufig wie in den übrigen Städten. Viele der Vermieter-Gesellschaften sind Besitzgesellschaften, die ein einzelnes Haus halten; das Firmenbuch zählt sie wie jede andere Firma.
Der zweite prägende Block ist technisch. Softwareentwickler, IT-Dienstleister, Ingenieur- und Architekturbüros und Forschungsunternehmen machen zusammen 1.471 Firmen aus, 11,6 Prozent des Bestands. In den übrigen Städten sind es 8,5 Prozent. Auch hier hält Graz den höchsten Wert der elf Großstädte, vor Linz (11,3), Innsbruck (9,4), Wien (8,9) und Salzburg (7,4). Die größten Posten: 423 Softwareentwickler, 348 Ingenieurbüros, 138 Architekturbüros, 97 Forschungsunternehmen.
Was dafür fehlt, ist ebenso deutlich. Der Handel stellt in Graz 11,7 Prozent der Firmen, in den übrigen Städten 16,2 Prozent; das ist der niedrigste Handelsanteil aller elf Großstädte (Villach 20,5, Wels 19,1, Wien und Linz je 15,4). Bau kommt auf 4,0 Prozent gegenüber 6,3, nur Salzburg liegt mit 3,9 Prozent darunter. Gastronomie und Beherbergung halten 5,4 Prozent gegenüber 6,9; in Innsbruck sind es 8,8, in Salzburg 7,8. Beratung und Holdings (6,6 Prozent) sowie Verkehr und Logistik (4,0 Prozent) liegen in Graz dagegen über dem Städtewert.

Einzelne Branchen, die auffallen
Der Faktor, um den es hier geht: Anteil einer Branche an den Grazer Firmen, geteilt durch ihren Anteil in den übrigen 198 Städten. 1,0 heißt, die Branche ist in Graz so häufig wie anderswo. Gezeigt werden nur Branchen mit mindestens zehn Firmen in Graz.
Den höchsten Faktor haben die Medizintechnik-Hersteller: 10 der 55 österreichweit eingetragenen Firmen des Codes sitzen in Graz, 4,7-mal so viele, wie der Grazer Anteil am Firmenbestand erwarten ließe. Nur drei Städte haben überhaupt mindestens drei Firmen dieser Branche, Graz führt die Reihung an. Messtechnik-Hersteller folgen mit 24 Firmen und Faktor 3,3, Forschungsunternehmen mit 97 Firmen und 2,1, Ingenieurbüros mit 348 Firmen und 1,6, Softwareentwickler mit 423 Firmen und 1,5. Bei der Software-Dichte ist Graz Rang 3 unter 96 Städten mit mindestens drei Firmen der Branche.
Aus der Reihe fällt eine Branche, die mit Technik nichts zu tun hat: 347 Taxiunternehmen, Faktor 2,2. Eine höhere Taxi-Dichte hat unter den 39 Städten mit mindestens drei Taxifirmen nur Schwechat, der Flughafen-Standort.
Am anderen Ende stehen Gewerke und Handel. Bautischlereien (12 Firmen) und Malereibetriebe (26) kommen auf Faktor 0,4, PR-Agenturen (17) ebenfalls, Transportunternehmen (75) und Maschinen-Großhändler (48) auf 0,5.

Warum der technische Block gerade in Graz so stark ist, steht in keinem Register. Die Stadt hat eine Technische Universität, eine Medizinische Universität, eine Volluniversität und zwei Fachhochschulen; ob sie die Firmen anziehen oder hervorbringen, lässt sich aus dem Firmenbuch nicht belegen. Das Muster schon.
Zuwachs
Von 2021 bis 2025 kamen in Graz im Schnitt 5,9 Prozent des heutigen Bestands pro Jahr neu ins Firmenbuch. Unter den 199 Städten ist das Rang 102, also Mittelfeld; unter den elf Großstädten Rang 4 hinter Klagenfurt (7,0 Prozent), Wiener Neustadt (6,1) und Wien (6,1). Linz liegt bei 5,8, Innsbruck bei 4,9.
Der Jahrgang 2025 ist mit 900 heute noch eingetragenen Firmen der größte in der Grazer Reihe, vor 2021 mit 816 und 2019 mit 620. Setzt man das Jahr 2015 auf 100, laufen Graz und die übrigen Städte bis 2021 fast parallel (181 gegen 185). Danach öffnet sich eine Lücke. 2025 steht Graz bei 200, die übrigen Städte bei 234. Der Grazer Bestand wächst also weiter, aber seit 2022 langsamer als der der anderen Städte zusammen. Gezählt sind dabei Firmen, die heute noch aktiv sind; ältere Jahrgänge sind durch Löschungen kleiner, als sie waren. Auf den Vergleich zweier Kurven mit derselben Basis wirkt sich das kaum aus.

Rechtsformen
60,6 Prozent der Grazer Firmen sind GmbHs, in den übrigen Städten 61,1 Prozent. Einzelunternehmen sind mit 14,3 Prozent seltener als anderswo (17,5), Kommanditgesellschaften mit 13,7 Prozent etwas häufiger (12,5). Der deutlichste Unterschied liegt bei der OG: 1.217 offene Gesellschaften, 9,1 Prozent des Bestands gegenüber 6,4. Unter den Großstädten haben nur Innsbruck (9,8) und Dornbirn (9,4) einen höheren OG-Anteil.

Methode
Wir haben die im Firmenbuch eingetragenen, aktiven Unternehmen mit Sitzadresse in der jeweiligen Stadt ausgewertet; Einzelunternehmen ohne Firmenbucheintrag sind nicht erfasst, was Branchen mit vielen Kleinstbetrieben (Handel, Gastronomie, Gewerke) in allen Städten gleichermaßen untererfasst. Der Städte-Filter der Firmenbuch-API ist ein Contains-Match; die Treffer werden exakt nachgefiltert und mit der Städtegruppierung der API abgeglichen (Abweichung für Graz: 0,01 Prozent). Der Städte-Zensus stammt vom 31.07.2026, der nationale Gesamtbestand von 345.753 aktiven Firmen vom 20.08.2026. Vergleichsbasis sind die 199 österreichischen Städte laut Stadtrechtsliste; „übrige Städte" meint die 198 anderen zusammen, in denen Wien gut die Hälfte des Bestands stellt. Großstädte sind hier Städte ab 50.000 Einwohnern, derzeit elf.
Branchenanteile beziehen sich auf Firmen mit ÖNACE-Code (Graz: 12.699 von 13.437; 738 Firmen ohne Code fehlen in Mix und Faktoren). Die Cluster fassen ÖNACE-Abteilungen zusammen: Immobilien 68; Handel 45 bis 47; Finanz und Versicherung 64 bis 66; Beratung und Holdings 70; IT, Technik-Büros und Forschung 62, 63, 71, 72; Industrie 05 bis 33; Bau 41 bis 43; Gastronomie und Beherbergung 55, 56; Verkehr 49 bis 53; Recht, Steuer und Werbung 69, 73, 74; Gesundheit und Soziales 86 bis 88; Bildung, Kultur und Sport 85, 90 bis 93. Der Faktor einer Einzelbranche ist ihr Anteil an den Grazer Firmen, geteilt durch ihren Anteil in den übrigen Städten; ausgewählt wurde nach der statistischen Untergrenze des Faktors (95-Prozent-Poisson-Intervall), damit kleine Zufallsgruppen nicht oben stehen. Reine Realitäten-, Beteiligungs- und Beratungscodes sind aus der Einzelbranchen-Liste ausgeklammert, weil sie in jeder Stadt ganz oben stünden; sie stecken in den Clustern. Städtereihungen zeigen nur Städte mit mindestens drei Firmen der Branche, sonst würde eine einzelne Zeile ein konkretes Unternehmen identifizieren.
Das Gründungstempo ist der Durchschnitt der Neueintragungen 2021 bis 2025, bezogen auf den heutigen Bestand. Die Jahrgangsreihe zählt heute noch eingetragene Firmen nach Eintragungsjahr; das Firmenbuch wurde 1991/92 digitalisiert, ältere Eintragungen sind auf 1992 zensiert, weshalb die Reihe erst 2010 beginnt. Einwohner: Statistik Austria (POPREG); Österreich-Einwohner: Wikidata, Stand 2022. ÖNACE-Zuordnung: Statistik Austria. Rechtsform laut Firmenbuch.
