Linz gilt als Industriestadt. Im Firmenbuch sieht man davon wenig direkt: Industrie und Produktion stellen 3,8 Prozent der Linzer Firmen, genau so viel wie in den übrigen Städten. Das Register zählt Firmen, nicht Größe; ein Stahlwerk ist ein Eintrag. Was man sieht, ist das Umfeld. Beteiligungsgesellschaften und Privatstiftungen, Ingenieurbüros und Softwareentwickler, Werbeagenturen, Stahl-Großhändler, Stromhändler und Leiharbeitsfirmen haben in Linz einen größeren Anteil am Bestand als in fast jeder anderen Großstadt. Dafür ist die Stadt dünner mit Firmen besetzt als der Österreich-Schnitt, und Gastronomie, Bau und Verkehr bleiben unter dem Städtewert. Grundlage sind 7.625 eingetragene Firmen, verglichen mit den übrigen 198 Städten des Landes.
Bestand und Dichte
7.625 aktive Firmen stehen mit Sitzadresse in Linz im Firmenbuch, 2,2 Prozent des österreichischen Bestands von 345.753 Firmen. Auf 214.272 Einwohner sind das 35,6 Firmen je 1.000 Einwohner, oder eine Firma je 28 Einwohner. Österreichweit kommt eine Firma auf 26 Einwohner, das sind 38,5 je 1.000.
Unter den elf Städten ab 50.000 Einwohnern liegt Linz damit auf Rang 9. Wien kommt auf 54,0 Firmen je 1.000 Einwohner, Salzburg auf 50,0, Innsbruck auf 48,5, Graz auf 43,8. Auch Wels (37,2) und Wiener Neustadt (36,7) liegen vor Linz; dahinter stehen nur Villach (30,0) und St. Pölten (26,4). Die drittgrößte Stadt des Landes hat die drittniedrigste Firmendichte ihrer Gruppe. Unter allen 199 Städten der Stadtrechtsliste ist das Rang 44.

Der Branchen-Mix
7.162 der Linzer Firmen tragen einen ÖNACE-Branchencode. Die beiden größten Blöcke sind dieselben wie überall, und beide sind in Linz etwas kleiner als anderswo. Immobilienfirmen stellen 1.228 Firmen oder 17,1 Prozent (übrige Städte: 18,7 Prozent), das ist Rang 10 unter den elf Großstädten; nur Wiener Neustadt hat einen kleineren Immobilienanteil. Der Handel kommt auf 1.102 Firmen und 15,4 Prozent (16,0), Rang 9.
Dann folgen zwei Cluster, die Linz prägen. IT, Technik-Büros und Forschung machen 808 Firmen oder 11,3 Prozent des Bestands aus, in den übrigen Städten sind es 8,6 Prozent. Nur Graz liegt mit 11,6 Prozent darüber, Innsbruck folgt mit 9,4, Wien mit 8,9. Dahinter stehen 232 Softwareentwickler (anderthalbmal so häufig wie in den übrigen Städten), 179 Ingenieurbüros (1,4-mal), 118 IT-Beratungen (1,3-mal; der höchste Anteil aller elf Großstädte), 78 Architekturbüros und 76 IT-Dienstleister.
Finanz und Versicherung stellen 771 Firmen oder 10,8 Prozent, gegenüber 8,5 Prozent anderswo. Das ist der höchste Anteil der elf Großstädte, vor Klagenfurt (10,4) und Salzburg (10,3). Der größte Posten darin sind 434 Beteiligungsgesellschaften, 6,1 Prozent aller Linzer Firmen mit Branchencode; nur Wels hat einen höheren Anteil. 157 Firmen laufen unter dem Code „Treuhandfonds und Treuhandkonten", 1,8-mal so häufig wie in den übrigen Städten und der höchste Anteil der Großstädte. 81 Versicherungsvermittler sind 1,4-mal so häufig wie anderswo.
Recht, Steuer und Werbung kommen auf 550 Firmen und 7,7 Prozent (6,8), ebenfalls der höchste Wert der elf Großstädte, knapp vor Wien und Innsbruck (je 7,4). 224 Werbeagenturen sind 3,1 Prozent aller Linzer Firmen mit Code, ein größerer Anteil als in jeder anderen Großstadt, Wien eingeschlossen. 159 Steuerberatungen sind 1,3-mal so häufig wie in den übrigen Städten, 52 Rechtsberatungen 1,4-mal. Gesundheit und Soziales liegen mit 142 Firmen und 2,0 Prozent über dem Städtewert von 1,5 (Rang 4); Bildung, Kultur und Sport mit 3,2 Prozent genau darauf, wobei 88 Bildungsanbieter den höchsten Anteil der Großstädte halten.
Industrie und Produktion sind mit 269 Firmen und 3,8 Prozent Mittelfeld, Rang 6 von 11; Villach (5,8), Dornbirn (5,7), Wiener Neustadt (5,3), Wels (5,1) und St. Pölten (3,9) haben anteilig mehr Industriefirmen im Register. Die größten Linzer Posten darin sind 23 Medizinprodukte-Hersteller (1,8-mal so häufig wie anderswo), 15 Asphaltmischwerke, 13 Möbelhersteller und 11 Bäckereien.

Drei Cluster bleiben deutlich unter dem Städtewert. Verkehr und Logistik stellen 153 Firmen oder 2,1 Prozent, in den übrigen Städten 3,5 (Rang 9 von 11); 57 Transportunternehmen sind nur 0,6-mal so häufig wie anderswo, 42 Taxiunternehmen 0,4-mal. Der Bau kommt auf 337 Firmen und 4,7 Prozent gegenüber 6,2 (Rang 9): 37 Hochbaufirmen sind halb so häufig wie in den übrigen Städten, 48 Elektroinstallateure 0,7-mal, bei der Elektroinstallateur-Dichte liegt Linz auf Rang 98 von 103 Städten mit mindestens drei Firmen der Branche. Gastronomie und Beherbergung halten 408 Firmen und 5,7 Prozent gegenüber 6,9 (Rang 8). 245 Restaurants und Gaststätten sind dabei so häufig wie anderswo; 47 Cafés kommen auf 0,7, 21 Hotels auf 0,5. Bei der Hotel-Dichte steht Linz auf Rang 57 von 58 Städten mit mindestens drei Hotelfirmen, unter den Großstädten hat nur St. Pölten einen kleineren Hotelanteil.
Einzelne Branchen, die auffallen
Der Faktor, um den es hier geht: Anteil einer Branche an den Linzer Firmen, geteilt durch ihren Anteil in den übrigen 198 Städten. 1,0 heißt, die Branche ist in Linz so häufig wie anderswo. Gezeigt werden nur Branchen mit mindestens zehn Firmen in Linz; reine Realitäten-, Beteiligungs- und Beratungscodes sind ausgeklammert, sie stünden in jeder Stadt oben.
Den höchsten Faktor haben die Asphaltmischwerke: 15 der 81 österreichweit eingetragenen Firmen des Codes sitzen in Linz, 13,8-mal so viele, wie der Linzer Anteil am Städte-Bestand erwarten ließe. Außer Linz kommt nur Wien auf drei Firmen dieser Branche. 12 Stromhändler erreichen Faktor 4,2 (12 von 141 in Österreich; die höchste Dichte unter den sieben Städten mit mindestens drei Firmen), 13 Stahl-Großhändler Faktor 2,6 (13 von 249, Rang 3 von 7). Dazu kommen 61 Leiharbeitsfirmen, Faktor 2,6; unter den Großstädten hat nur St. Pölten einen höheren Anteil. Das sind vier Branchen, die zu einem Standort mit Stahlwerk und Großbaustellen passen. Belegen lässt sich aus dem Firmenbuch nur die Häufung, nicht der Zusammenhang.
Zwei weitere Einträge haben mit Industrie nichts zu tun. 17 Hausarztpraxen stehen als Firmen im Register, 2,7-mal so häufig wie in den übrigen Städten und der höchste Anteil aller Großstädte. Gezählt sind nur eingetragene Gesellschaften, die meisten Ordinationen stehen gar nicht im Firmenbuch; dass Linzer Allgemeinmediziner häufiger als Firma auftreten, ist die Beobachtung. 19 Buchhandlungen kommen auf Faktor 2,4 (19 von 287 in Österreich, Rang 2 von 6 Städten). Danach folgen die beiden großen Technik-Branchen: 232 Softwareentwickler mit Faktor 1,5 (Rang 7 unter 96 Städten bei der Software-Dichte) und 179 Ingenieurbüros mit 1,4.
Am anderen Ende stehen Dienstleistungen für Stadt und Gäste. Taxiunternehmen (42 Firmen, Faktor 0,4), Hausmeisterdienste (21, Faktor 0,4; Rang 35 von 36 Städten), Hotels (21, Faktor 0,5), Waren-Handelsvermittler (17, Faktor 0,5) und Hochbaufirmen (37, Faktor 0,5) sind in Linz seltener als in den übrigen Städten, obwohl sie in den übrigen Städten zusammen jeweils zwischen 940 und 2.604 Firmen stellen.

Zuwachs
Von 2021 bis 2025 kamen in Linz im Schnitt 5,8 Prozent des heutigen Bestands pro Jahr neu ins Firmenbuch. Unter den 199 Städten ist das Rang 107, unter den elf Großstädten Rang 5 hinter Klagenfurt (7,0 Prozent), Wiener Neustadt (6,1), Wien (6,1) und Graz (5,9); Innsbruck bildet mit 4,9 das Schlusslicht.
Der Jahrgang 2025 ist mit 540 heute noch eingetragenen Firmen der größte in der Linzer Reihe, vor 2024 mit 454 und 2021 mit 431. Setzt man das Jahr 2015 auf 100, läuft Linz bis 2021 mit den übrigen Städten fast gleichauf (187 gegen 185). Danach öffnet sich eine Lücke: 2022 steht Linz bei 169, die übrigen Städte bei 184; 2024 bei 197 gegen 208. Erst der Jahrgang 2025 schließt sie wieder, 234 gegen 231. Gezählt sind Firmen, die heute noch aktiv sind; ältere Jahrgänge sind durch Löschungen kleiner, als sie waren. Auf den Vergleich zweier Kurven mit derselben Basis wirkt sich das kaum aus.

Rechtsformen
67,8 Prozent der Linzer Firmen sind GmbHs, in den übrigen Städten 60,9 Prozent. Unter den Großstädten ist das Rang 4 hinter Wels (73,7), Salzburg (68,6) und Klagenfurt (68,4). Einzelunternehmen stellen 13,9 Prozent (1.058 Firmen) gegenüber 17,4 anderswo, Kommanditgesellschaften 8,5 Prozent (648 Firmen) gegenüber 12,7; beim KG-Anteil liegt Linz auf Rang 9 von 11, nur Wiener Neustadt und Wels haben weniger. Die OG kommt auf 6,2 Prozent (6,5).
Den Unterschied machen die übrigen Rechtsformen: 3,7 Prozent gegenüber 2,5. Darin stecken 147 Privatstiftungen, 1,9 Prozent des Linzer Bestands gegenüber 1,1 Prozent in den übrigen Städten. Das ist der höchste Stiftungsanteil der elf Großstädte, vor Salzburg (1,8) und deutlich vor Wien (1,2) und Graz (1,0). Dazu 34 Aktiengesellschaften (0,45 Prozent, Rang 3) und 38 Genossenschaften. Zusammen mit den 434 Beteiligungsgesellschaften aus dem Finanz-Cluster zeigt das Register eine Stadt, in der auffällig viele Firmen Vermögen und Beteiligungen verwalten.

Methode
Wir haben die im Firmenbuch eingetragenen, aktiven Unternehmen mit Sitzadresse in der jeweiligen Stadt ausgewertet; Einzelunternehmen ohne Firmenbucheintrag sind nicht erfasst, was Branchen mit vielen Kleinstbetrieben (Handel, Gastronomie, Gewerke, freie Berufe, Arztpraxen) in allen Städten gleichermaßen untererfasst. Der Städte-Filter der Firmenbuch-API ist ein Contains-Match; die Treffer werden exakt nachgefiltert und mit der Städtegruppierung der API abgeglichen (Abweichung für Linz: 0,2 Prozent). Der Städte-Zensus stammt vom 31.07.2026, der nationale Gesamtbestand von 345.753 aktiven Firmen und die österreichweiten Branchenzahlen vom 20.08.2026 beziehungsweise aus dem 30-Tage-Cache. Vergleichsbasis sind die 199 österreichischen Städte laut Stadtrechtsliste; „übrige Städte" meint die 198 anderen zusammen (201.578 Firmen, gut die Hälfte davon in Wien). Großstädte sind hier Städte ab 50.000 Einwohnern, derzeit elf.
Branchenanteile beziehen sich auf Firmen mit ÖNACE-Code (Linz: 7.162 von 7.625; 463 Firmen ohne Code fehlen in Mix und Faktoren). Die Cluster fassen ÖNACE-Abteilungen zusammen: Immobilien 68; Handel 45 bis 47; Finanz und Versicherung 64 bis 66; Beratung und Holdings 70; IT, Technik-Büros und Forschung 62, 63, 71, 72; Industrie 05 bis 33; Bau 41 bis 43; Gastronomie und Beherbergung 55, 56; Verkehr 49 bis 53; Recht, Steuer und Werbung 69, 73, 74; Gesundheit und Soziales 86 bis 88; Bildung, Kultur und Sport 85, 90 bis 93. Der Faktor einer Einzelbranche ist ihr Anteil an den Linzer Firmen, geteilt durch ihren Anteil in den übrigen Städten; ausgewählt wurde nach der statistischen Untergrenze des Faktors (95-Prozent-Poisson-Intervall), damit kleine Zufallsgruppen nicht oben stehen. Reine Realitäten-, Beteiligungs- und Beratungscodes sind aus der Einzelbranchen-Liste ausgeklammert, weil sie in jeder Stadt ganz oben stünden; sie stecken in den Clustern. Städtereihungen zeigen nur Städte mit mindestens drei Firmen der Branche, sonst würde eine einzelne Zeile ein konkretes Unternehmen identifizieren. „Asphaltmischwerke" ist unser Label für den ÖNACE-Code 23.99 (Herstellung von sonstigen Mineralerzeugnissen a.n.g.); die 15 Linzer Einträge wurden am 31.07.2026 namentlich geprüft, 13 tragen „Asphalt" im Namen. Für die 81 Firmen österreichweit gilt der volle Sammelcode.
Das Gründungstempo ist der Durchschnitt der Neueintragungen 2021 bis 2025, bezogen auf den heutigen Bestand. Die Jahrgangsreihe zählt heute noch eingetragene Firmen nach Eintragungsjahr; das Firmenbuch wurde 1991/92 digitalisiert, ältere Eintragungen sind auf 1992 zensiert, weshalb die Reihe erst 2010 beginnt. Einwohner: Statistik Austria (POPREG); Österreich-Einwohner: Wikidata, Stand 2022. ÖNACE-Zuordnung: Statistik Austria. Rechtsform laut Firmenbuch.
