Wien hat im Firmenbuch mehr Firmen als die anderen 198 Städte Österreichs zusammen und ist dichter mit Firmen besetzt als jede andere Großstadt. Ein Schwergewicht im Branchen-Mix hat die Stadt trotzdem nicht. Kein Cluster ragt heraus. Die Unterschiede zum Rest des Landes: halb so viel Industrie, mehr Werbung, Beratung und Verkehr, und Firmen, die kleinteiliger organisiert sind als in jeder anderen Großstadt. Grundlage sind 110.267 eingetragene Firmen, verglichen mit den übrigen 198 Städten.
Bestand und Dichte
110.267 aktive Firmen stehen mit Sitzadresse in Wien im Firmenbuch. Das sind 31,9 Prozent des gesamten österreichischen Bestands von 345.753 Firmen, und es sind mehr, als die übrigen 198 Städte der Stadtrechtsliste zusammen auf sich vereinen (98.936). Auf 2.040.914 Einwohner kommen 54,0 Firmen je 1.000 Einwohner, oder eine Firma je 19 Einwohner. Österreichweit teilen sich 26 Einwohner eine Firma.
Unter den elf Städten ab 50.000 Einwohnern ist das der höchste Wert, vor Salzburg (50,0 Firmen je 1.000 Einwohner), Innsbruck (48,5), Graz (43,8) und Dornbirn (42,8). Linz kommt auf 35,6, St. Pölten auf 26,4. Unter allen 199 Städten liegt Wien auf Rang 7; davor stehen kleine Städte wie Kitzbühel, Zell am See oder Eisenstadt, in denen viele Firmen auf wenige Einwohner kommen.

Der Branchen-Mix
104.831 der Wiener Firmen tragen einen ÖNACE-Branchencode. Der größte Block sind Immobilienfirmen mit 19.049 Firmen oder 18,2 Prozent, in den übrigen Städten sind es 19,2 Prozent. Unter den elf Großstädten ist das Rang 9; Graz kommt auf 24,9 Prozent, Dornbirn auf 23,9. Dahinter stehen 7.642 Immobilien-Vermieter, 5.742 Immobilienhändler, 2.052 Hausverwaltungen, 1.742 Makler und 1.639 Bauträger. Immobilienhändler sind in Wien anderthalbmal so häufig wie in den übrigen Städten, Vermieter-Gesellschaften und Bauträger seltener.
Der Handel ist mit 16.159 Firmen und 15,4 Prozent der zweitgrößte Block (übrige Städte: 16,5 Prozent). Dann folgen, dicht beieinander, IT, Technik-Büros und Forschung mit 8,9 Prozent, Finanz und Versicherung mit 8,6, Recht, Steuer und Werbung mit 7,4, Gastronomie und Beherbergung mit 7,1, Beratung und Holdings mit 6,4 und Bau mit 6,0 Prozent. In keinem dieser Cluster weicht Wien um mehr als anderthalb Prozentpunkte vom Wert der übrigen Städte ab. Der Wiener Mix ist in der Breite ein Durchschnitts-Mix, was bei einem Bestand, der gut die Hälfte aller Städte-Firmen stellt, auch nicht überrascht.
Die Abweichungen sitzen an den Rändern. Industrie und Produktion stellen in Wien 2,6 Prozent der Firmen, in den übrigen Städten 5,2. Das ist der niedrigste Industrieanteil aller elf Großstädte; Villach kommt auf 5,8 Prozent, Dornbirn auf 5,7, selbst Graz auf 3,4. Die größten Wiener Posten darin sind 147 Medizinprodukte-Hersteller, 119 Druckereien, 97 Möbelhersteller und 87 Bäckereien. Gesundheit und Soziales liegt mit 1,2 Prozent ebenfalls unter dem Städtewert von 1,8 (Rang 10 von 11); Facharztpraxen stehen in Wien nur halb so häufig im Firmenbuch wie in den übrigen Städten.
Über dem Städtewert liegen Verkehr und Logistik (4,0 gegen 2,8 Prozent, mit Graz an der Spitze der Großstädte), Beratung und Holdings (6,4 gegen 5,2, Rang 3) sowie Recht, Steuer und Werbung (7,4 gegen 6,2, Rang 2 hinter Linz). 1.769 Taxiunternehmen sind 1,8-mal so häufig wie in den übrigen Städten, 1.530 Transportunternehmen 1,5-mal, 173 Kurierdienste 2,7-mal. 3.234 Werbeagenturen machen 3,1 Prozent aller Wiener Firmen mit Branchencode aus; 5.516 Unternehmensberatungen weitere 5,3 Prozent. Steuerberatungen dagegen sind in Wien seltener als in den übrigen Städten (1.495 Firmen, Faktor 0,7), ebenso Ingenieurbüros (1.351, Faktor 0,6) und Versicherungsvermittler (631, Faktor 0,6).

In der Gastronomie zeigt sich ein Wiener Muster, das kein Cluster-Wert abbildet. 3.451 Restaurants und Gaststätten, 1.154 Cafés und 1.147 Buffets und Imbissstuben stehen im Wiener Firmenbuch; Cafés sind um ein Drittel häufiger als in den übrigen Städten, Buffets und Imbisse fast doppelt so häufig. Hotels dagegen sind mit 439 eingetragenen Firmen nur halb so häufig wie anderswo; bei der Hotel-Dichte liegt Wien auf Rang 54 von 58 Städten mit mindestens drei Hotelfirmen, Salzburg und Innsbruck kommen auf den dreifachen Anteil.
Einzelne Branchen, die auffallen
Der Faktor, um den es hier geht: Anteil einer Branche an den Wiener Firmen, geteilt durch ihren Anteil in den übrigen 198 Städten. 1,0 heißt, die Branche ist in Wien so häufig wie anderswo. Gezeigt werden nur Branchen mit mindestens zehn Firmen in Wien; reine Realitäten-, Beteiligungs- und Beratungscodes sind ausgeklammert, sie stünden in jeder Stadt oben.
Die höchsten Faktoren haben kleine Branchen, die es fast nur in Wien gibt. 22 Fiakerbetriebe, 6,5-mal so häufig wie in den übrigen Städten; 22 der 32 österreichweit eingetragenen Firmen des Codes sitzen in Wien. 34 Möbel-Restaurierungsbetriebe (Faktor 6,0; 34 von 51 in Österreich), 27 Schuh- und Lederwaren-Reparaturen (6,0; 27 von 35), 32 Filmverleiher (5,7; 32 von 41) und 32 Investmentfonds (5,7; 32 von 38). In keiner dieser fünf Branchen kommt eine andere österreichische Stadt auf drei eingetragene Firmen.
Gewichtiger sind die Branchen dahinter. 174 Firmen der Markt- und Meinungsforschung sitzen in Wien, Faktor 3,7; das sind 70 Prozent der 248 österreichweit eingetragenen, in einer Stadt, die 32 Prozent des Firmenbestands hält. 496 PR-Agenturen kommen auf Faktor 3,1 und 65 Prozent der Branche (496 von 761); bei der PR-Dichte liegt unter den elf Städten mit mindestens drei Firmen der Branche nur Klosterneuburg vor Wien. 44 Papier-Großhändler erreichen Faktor 3,6 (44 von 83).
Am anderen Ende stehen Produktion und Rohstoffe. Betonwerke (3 Firmen, Faktor 0,05), Hersteller von Mineralerzeugnissen (3, Faktor 0,07), gemischte Landwirtschaft (11, Faktor 0,08), Elektrizitätsverteiler (4, Faktor 0,09) und Säge- und Hobelwerke (5, Faktor 0,10) sind in Wien fast nicht vertreten, obwohl sie in den übrigen Städten zusammen jeweils mehrere Dutzend Firmen stellen.

Eine Erklärung liefert das Firmenbuch nicht. Dass Meinungsforscher, PR-Agenturen und Filmverleiher dort sitzen, wo Ministerien, Parteien, Medien und Verbände ihre Adressen haben, und Fiaker, Schuhmacher und Möbelrestauratoren dort, wo Kundschaft und Altbauten sind, liegt nahe. Belegen lässt sich aus dem Register nur die Konzentration.
Zuwachs
Von 2021 bis 2025 kamen in Wien im Schnitt 6,1 Prozent des heutigen Bestands pro Jahr neu ins Firmenbuch. Unter den 199 Städten ist das Rang 84, also Mittelfeld; unter den elf Großstädten Rang 3 hinter Klagenfurt (7,0 Prozent) und knapp hinter Wiener Neustadt (ebenfalls 6,1). Graz liegt bei 5,9, Linz bei 5,8, Innsbruck bei 4,9.
Der Jahrgang 2025 ist mit 7.856 heute noch eingetragenen Firmen der größte in der Wiener Reihe, vor 2024 mit 7.069 und 2022 mit 6.326. Setzt man das Jahr 2015 auf 100, laufen Wien und die übrigen Städte über die ganze Strecke fast deckungsgleich: 2021 steht Wien bei 184, die übrigen Städte bei 186; 2025 bei 234 gegen 229. Der einzige sichtbare Unterschied liegt in 2022, als der Wiener Jahrgang weiter wuchs (188), während der der übrigen Städte zurückging (177). Gezählt sind dabei Firmen, die heute noch aktiv sind; ältere Jahrgänge sind durch Löschungen kleiner, als sie waren. Auf den Vergleich zweier Kurven mit derselben Basis wirkt sich das kaum aus.

Rechtsformen
Hier unterscheidet sich Wien am deutlichsten von den anderen Großstädten. 58,2 Prozent der Wiener Firmen sind GmbHs, in den übrigen Städten 64,4 Prozent; das ist der niedrigste GmbH-Anteil aller elf Großstädte (Wels: 73,7). Einzelunternehmen stellen 19,8 Prozent (21.783 Firmen) gegenüber 14,5 Prozent anderswo, nur Wiener Neustadt hat mit 20,5 Prozent einen höheren Anteil. Kommanditgesellschaften kommen auf 14,0 Prozent (15.418 Firmen) gegenüber 11,0, der höchste KG-Anteil der Großstädte vor Graz (13,7) und Innsbruck (13,5). Die OG ist mit 5,6 Prozent dagegen seltener als anderswo (7,6). Zusammen sind 39,3 Prozent der Wiener Firmen Einzelunternehmen oder Personengesellschaften (e.U., KG, OG), in den übrigen Städten 33,2 Prozent. Wien ist im Firmenbuch die kleinteiligste der elf Großstädte, gemessen an der Rechtsform.

Methode
Wir haben die im Firmenbuch eingetragenen, aktiven Unternehmen mit Sitzadresse in der jeweiligen Stadt ausgewertet; Einzelunternehmen ohne Firmenbucheintrag sind nicht erfasst, was Branchen mit vielen Kleinstbetrieben (Handel, Gastronomie, Gewerke, freie Berufe) in allen Städten gleichermaßen untererfasst. Der Städte-Filter der Firmenbuch-API ist ein Contains-Match; die Treffer werden exakt nachgefiltert und mit der Städtegruppierung der API abgeglichen (Abweichung für Wien: 0,03 Prozent). Der Städte-Zensus stammt vom 31.07.2026, der nationale Gesamtbestand von 345.753 aktiven Firmen und die österreichweiten Branchenzahlen vom 20.08.2026 beziehungsweise aus dem 30-Tage-Cache. Vergleichsbasis sind die 199 österreichischen Städte laut Stadtrechtsliste; „übrige Städte" meint die 198 anderen zusammen (98.936 Firmen). Großstädte sind hier Städte ab 50.000 Einwohnern, derzeit elf.
Branchenanteile beziehen sich auf Firmen mit ÖNACE-Code (Wien: 104.831 von 110.267; 5.436 Firmen ohne Code fehlen in Mix und Faktoren). Die Cluster fassen ÖNACE-Abteilungen zusammen: Immobilien 68; Handel 45 bis 47; Finanz und Versicherung 64 bis 66; Beratung und Holdings 70; IT, Technik-Büros und Forschung 62, 63, 71, 72; Industrie 05 bis 33; Bau 41 bis 43; Gastronomie und Beherbergung 55, 56; Verkehr 49 bis 53; Recht, Steuer und Werbung 69, 73, 74; Gesundheit und Soziales 86 bis 88; Bildung, Kultur und Sport 85, 90 bis 93. Der Faktor einer Einzelbranche ist ihr Anteil an den Wiener Firmen, geteilt durch ihren Anteil in den übrigen Städten; ausgewählt wurde nach der statistischen Untergrenze des Faktors (95-Prozent-Poisson-Intervall), damit kleine Zufallsgruppen nicht oben stehen. Reine Realitäten-, Beteiligungs- und Beratungscodes sind aus der Einzelbranchen-Liste ausgeklammert, weil sie in jeder Stadt ganz oben stünden; sie stecken in den Clustern. Städtereihungen zeigen nur Städte mit mindestens drei Firmen der Branche, sonst würde eine einzelne Zeile ein konkretes Unternehmen identifizieren. „Fiakerbetriebe" ist unser Label für den ÖNACE-Code 49.39 (Landverkehr a.n.g., Personen); die Firmenliste der 22 Wiener Einträge wurde am 31.07.2026 geprüft.
Das Gründungstempo ist der Durchschnitt der Neueintragungen 2021 bis 2025, bezogen auf den heutigen Bestand. Die Jahrgangsreihe zählt heute noch eingetragene Firmen nach Eintragungsjahr; das Firmenbuch wurde 1991/92 digitalisiert, ältere Eintragungen sind auf 1992 zensiert, weshalb die Reihe erst 2010 beginnt. Einwohner: Statistik Austria (POPREG); Österreich-Einwohner: Wikidata, Stand 2022. ÖNACE-Zuordnung: Statistik Austria. Rechtsform laut Firmenbuch.
